
Zur Vorgeschichte
Früher dachte ich immer, dass ich einen “schwarzen Daumen” besitze. Egal welche Pflanze ich geschenkt bekam, nach 1-2 Monaten war sie tot. Sowas von mausetot. Ich schaffte es nie eine Verbindung zu ihnen aufzubauen und so wurden sie entweder ertränkt oder fristeten ihr Dasein in der Wüste Gobi. Und ja, auch Kakteen können eingehen… Irgendwann beschloss ich, dass es einfach Dinge gibt, die sich außerhalb meines Ereignishorizontes bewegen und auch dort bleiben sollen.
Vor zweieinhalb Jahren motivierte mich eine liebe Freundin dazu es nocheinmal zu versuchen. Sie riet mir jedoch die Pflanzen selbst aus Samen zu ziehen. Klaaaaar. Ich und Pflanzen aus Samen ziehen. Natüüüüüürlich. Das klappt bestimmt… Ehe ich mich versah stand ich mit ihr in einer Gärtnerei und ging mit etlichen Tütchen voll Kräutersamen nach Hause. Ich weiß bis heute nicht, wie die in meine Hände kamen. Die wurden mir bestimmt untergemogelt. Das war Ende Februar 2008. Im März wanderten dann die ersten 2 Blumenkästen auf meine Wohnzimmerfensterbank. Nach knapp 2 Wochen geschah ein kleines Wunder:
Die ersten kleinen Baby-Kräuter erblickten das Licht meines Wohnzimmers. Und jeden Tag wurden es mehr und mehr und mehr und auf einmal waren beide Blumenkästen wegen drastischer Überbevölkerung geschlossen. Hunderte über hunderte kleiner Pflänzchen. Dicht an dicht gedrängt. Und das bei mir!!! In heller Aufregung rief ich die Anstifterin an:
“Sag mal S., ich hab da so eine Frage: Ist es normal, dass man so viele Pflänzchen in einem Kasten hat, dass man die Erde nicht mehr sehen kann?”
“Ämm, neee. Wie viele Samen hast du denn ausgesäht?”
“Na, alle.”
“ALLE?!?”
“Jaaaaaaaaaa. War das verkehrt?”
“Nicht, wenn du vor hast eine Gärtnerei zu eröffnen.”
“Und nun?”
“Nun suchst du die stärksten Pflänzen raus und der Rest kommt in den Bio-Müll.”
“Auf keinen Fall!!!”
“Doch, dass solltest du machen, denn sonst können die Pflanzen nicht wachsen.”
“Es ging doch darum, dass Pflanzen und ich zusammenleben und ich Verantwortung für sie übernehme. Da fang ich doch nicht gleich wieder an sie zu töten!”
“LENAAA… Wenn du es nicht machst, gehen alle Pflanzen ein. Das hat auch was mit Verantwortung übernehmen zu tun!”
“Das ist trotzdem total doof.”
Naja, dass Ende vom Lied war, dass zum Schluss 4 Blumenkästen auf meinen Fensterbänken und zig Blumentöpfe verteilt standen, in denen ich die kleinen Sätzlinge groß zog, bis sie Ende April endlich auf meinen Balkon umziehen konnten. Danach lief ich 3 Wochen rum und verteilte an Nachbarn, Verwandte, Bekannten und Freunde kleine Kräuterpflanzen…
Heute bevölkern über 50 verschiedene Kräuter und Blumen in 7 Balkonkästen (für mehr war kein Platz) und dutzenden Blumentöpfen meinen 3 m² Balkon. Außer den Pflanzen befindet sich nur noch eine kleine Sitzbank auf dem Bankon, zu der man sich an Blumentöpfen vorbeischlängeln muss. Ich liebe meinen Balkon und vor allen Dingen meine Pflanzen! Im Sommer begleitet einen der Gesang von Hummeln und Bienen auf meinem Balkon und Schmetterlinge flattern um einen herum. Eine kleine grüne Oase auf 3 m².
Ich lasse meine Kräuter immer Blühen und Samen bilden. Viele Menschen schneiden die Blüten von Kräutern zurück, damit diese ihre Energie in die Pflanze und die Blätter stecken. Ich persönlich finde blühende Kräuter viel schöner und finde, dass jede Pflanze das Recht hat für seine Nachkommenschaft zu sorgen. Dieses Jahr habe ich begonnen auch die Samen zu ernten was mich auf die Idee zum SiSa-Samen-Projekt brachte.
Die Idee hinter dem SiSa-Samenprojekt
- Pflanzen produzieren immer wesentlich mehr Samen, als man selbst benötigt.
- Selbstgezogene Pflanzen sind meiner Erfahrung nach wesentlich wiederständsfähiger, als Pflanzen aus dem Baumarkt, die in Massen ohne Liebe schnell hochgezogen werden.
- Die eigene Verbindung zu selbstgezogenen Pflanzen ist wesentlich intensiver als zu gekauften.
- Pflanzen aus Samen selbst zu ziehen ist eine tolle Erfahrung, die jeder auch ohne große Erfahrung machen kann. (Wenn ich das schaffe, dann schafft das wirklich JEDER
)
Darum möchte ich meine überschüssigen Samen kostenlos an andere Menschen weitergeben und ich fände es schön, wenn sich auch andere Menschen daran beteiligen möchten.
Die Umsetzung in der Praxis
- In der Praxis wird es so aussehen, dass sich jeder, der bei mir im Laden etwas bestellt, kostenlos Samen von 2 verfügbaren Pflanze pro Bestellung aussuchen kann, die dann mit der Bestellung zu ihm geschickt werden. Die Anzahl möchte ich am Anfang so niedrig halten, damit mehrere Personen von diesem Projekt partizipieren können. Sollte die Anzahl der zur Verfügung stehenden Samen nach und nach wachsen (was ich hoffe), wird auch diese Zahl nach oben geschraubt. Womit ich zum nächsten Punkt komme:
- Ich würde mich freuen, wenn ihr euch an diesem Projekt beteilig und mir eure überschüssigen Samen zuschickt. Solang es sich dabei um Samen von “legale Pflanzen” handelt, ist es egal, ob diese von Kräutern, Stauden oder Blumen stammen. Personen, die mir Samen schicken, damit ich sie allen anderen zur Verfügung stellen kann, können sich pro Bestellung von bis zu 7 Pflanzen Samen aussuchen, die ihnen dann bei einer Bestellung kostenlos mitgeschickte werden.
- Personen, die bei mir nichts bestellen möchten, können ebenfalls Samen im Tausch beziehen. Hierzu schickt mir einfach einen frankierten Rückumschlag sowie “Samen-Portionen” in der Anzahl der Pflanzen, für die ihr Samen haben möchtet + 2 weitere Pflanzen.
Ich hoffe, dass euch das Projekt gefällt und ihr euch daran beteiligt. Falls ihr Fragen oder Anregungen habt, dann legt los!
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